Die Pilsner Brauart: der neue Craft-Beer-Star

Immer mehr Craft-Beer-Aficionados entdecken das «Pilsener» für sich. Was sind die Besonderheiten dieser Brauart und was unterscheidet sie vom typischen Lagerbier?

Als die Craft-Beer-Bewegung Fahrt aufzunehmen begann, schenkte sie dem Pilsener Bier noch recht wenig Beachtung. Damals standen vor allem IPAs und ausgefallene Sorten wie Kriek oder Lambic hoch im Kurs. Biere nach Pilsner Brauart galten zu sehr als Mainstream und man brachte sie eher mit Tatort-Kommissaren aus dem Ruhrpott in Verbindung, die sie in der Eck-Kneipe gern kombiniert mit einem Korn bestellten. Doch während sich IPA und Co. weiterhin grosser Beliebtheit erfreuen, hat das Pilsener klammheimlich Boden gut gemacht und in den Kesseln vieler Hobby-Brauer bereits zum Überholen angesetzt.

Beste Zutaten direkt vor Ort

Geboren wurde das Pils etwa in der Mitte des 19. Jahrhunderts in der böhmischen Stadt Pilsen. Das vorher dort gebraute Bier genoss keinen wirklich guten Ruf. Weshalb, das lässt sich heute nicht mehr wirklich eruieren. Doch vermutlich hatte es mit einer nicht besonders ausgefeilten Technik im Brauprozess zu tun, durch die es zu Verunreinigungen kam. An den Zutaten lag es sicher nicht, so viel steht fest – denn mit dem noch heute hochgeschätzten Saazer Hopfen und erstklassiger Gerste gab es ausgezeichnete Zutaten in der direkten Umgebung. 

Pilsener Bier mit bayerischem Vater

Um ihr Bier wieder in vollen Zügen geniessen zu können, holten sich die Pilsener Unterstützung aus – wie könnte es anders sein – Bayern. Der herbeigerufene Braumeister Joseph Gröll gilt heute als der Erfinder der Pilsner Brauart. Er stellte vom bis anhin verwendeten obergärigen auf den in seiner Heimat weiter verbreiteten untergärigen Brauprozess um und brachte seinen eigenen Hefestamm mit. Sein erster Sud war im Herbst 1842 parat, das erste von ihm gebraute Bier wurde zur Feier des St. Martinstag am 11. November des gleichen Jahres ausgeschenkt… und es wurde zum «Instant Classic», wie man heute sagen würde.

Im Laufe der Jahre entwickelte sich die Pilsener Brauart in verschiedenen Regionen der Welt weiter und brachte unterschiedliche Variationen hervor. Beinahe allen gemeinsam sind die Unterschiede zum typischen «Hellen» oder Lagerbier, das von Bayern aus seinen Erfolgszug antrat: Biere nach Pilsner Brauart enthalten typischerweise mehr Hopfen und weisen deshalb eine höhere Bittere auf. Im Gegenzug hat das verwendete Malz wesentlich geringeren Einfluss auf das Aroma des Biers.

Staropramen: typisches Bier nach Pilsner Brauart

Spezialbier oder Pilsener Bier?

In der Schweiz dürfen aufgrund eines Staatsvertrags Biere nur dann als «Pilsener» bezeichnet werden, wenn sie aus Tschechien stammen. Der Grund dafür ist ein Abkommen aus dem Jahr 1927, mit dem geografische Bezeichnungen bei Lebensmitteln besonders geschützt werden sollten. Biere, welche an anderen Orten nach Pilsener Brauart hergestellt werden, tragen hierzulande den Namen «Spezialbiere». Ein typisches Beispiel für ein solches Spezialbier ist die Hamburger Legende Astra, während es sich etwa bei Staropramen um ein waschechtes Pilsener handelt.