Coruja: Kalthopfung als Kunstform

Kalthopfung – gerne auch als «Hopfenstopfen» bezeichnet – ist ein Verfahren, um die Hopfenaromen im Bier besser zur Geltung kommen zu lassen. Für deinen ganz persönlichen Geschmackstest empfehlen wir dir das Hoppy Lager von Coruja.

Die Kalthopfung gehört mittlerweile zum Repertoire aller ambitioniert-innovativen Braumeisterinnen und Braumeister. Bei dieser Technik (im Englischen: Dry-Hopping) wird dem Bier nach der Hauptgärung noch einmal Hopfen zugegeben. Daher stammt auch der deutsche Name: Das Kochen der Würze ist bereits abgeschlossen und das beinahe fertige Bier kühlt bereits wieder ab. Üblicherweise erfolgt das Hopfenstopfen, wie das Verfahren auch genannt wird, bei vergleichsweise «kalten» Temperaturen zwischen 5 und 20 Grad.

Weshalb wird Bier kaltgehopft?

Der Hopfen beeinflusst den Geschmack eines Biers durch zwei Faktoren: seine Bitterstoffe und seine Aromen. Letztere gibt er in Form ätherischer Öle ab, die bekanntlich vor allem eines sind: flüchtig. Während der «heissen» Phase des Brauens, also während die Würze gekocht wird, kann sich ein ordentlicher Teil der Hopfen-Aromen im wahrsten Sinne des Wortes in Luft auflösen. Bei tieferen Temperaturen werden sie besser in der Flüssigkeit gebunden und haben bleibenden Einfluss auf den Geschmack und vor allem auch auf den Geruch des fertigen Biers. Je nach verwendetem Hopfen können dabei völlig unterschiedliche Aromen im Vordergrund stehen, von Anis bis Ananas ist für jeden Gaumen etwas dabei.

Coruja Hoppy Lager: kaltgehopft und erfrischend

Eulen-Graffiti auf einer Hauswand in Lissabon. Coruja ist das portugiesische Wort für Eule.

Ein wunderbares Beispiel, wie das Hopfenstopfen ein bemerkenswertes Bier hervorbringen kann, ist das Hoppy Lager von Coruja. Als die portugiesische Marke 2018 auf den Plan trat, glänzte sie zuallererst mit einer grandiosen, im Guerilla-Style inszenierten Kampagne, die für einiges Rätselraten sorgte. Doch bald war klar: Coruja steht für markante und aussergewöhnliche Biere, gebraut aus hochwertigen Zutaten und mit viel Kreativität und Innovationsgeist. Beim Hoppy Lager beispielsweise entsteht durch die Kalthopfung ein unverkennbares Zitrusaroma, welches das Bier besonders leicht und erfrischend macht – perfekt, wenn du sozusagen live und in Farbe erfahren möchtest, was das Hopfenstopfen bei einem Bier bewirkt.

Dry Hopping: die unterschiedlichen Verfahren

Bei Hobby-Brauerinnen und Brauern gleicht die Kalthopfung oft der Teezubereitung; der Hopfen wird nach der Hauptgärung in kleinen Säckchen in die Flüssigkeit gegeben. Hierfür können sowohl die «rohen» Hopfendolden als auch die weit verbreiteten Hopfenpellets verwendet werden. Dazu zwei kleine Warnungen, falls du dich selbst am Dry Hopping versuchen möchtest. Vor allem die Hopfendolden nehmen viel Flüssigkeit auf. Das führt erstens dazu, dass sie sich stark ausdehnen und zu klein dimensionierte Säckchen gnadenlos zum Platzen bringen, was dich zu einem Aussieben der Überbleibsel zwingt. Zweitens, und das dürfte dich vermutlich fast noch mehr ärgern, nehmen die Dolden nicht irgendeine Flüssigkeit auf. Sei also nicht zu enttäuscht, wenn der Füllstand im deinem Braugefäss nach dem Hopfenstopfen merklich niedriger ausfällt!

Für die «professionelle» Kalthopfung in Brauereien wurden übrigens längst entsprechend dimensionierte Geräte konstruiert. Der «Torpedo» beispielsweise setzt auf Hopfendolden, während die «Hop Cannon» Pellets zum Einsatz bringt. Wir lehnen uns jetzt mal weit aus dem Fenster und vermuten, dass die Namensgebung für diese beiden Beispiele erst nach der ersten Verkostung stattgefunden hat. Was man durchaus feiern darf … und damit ein Hoch auf alle kaltgehopften Biere dieser Welt!

Kalthopfung: Frische Hopfendolden und verarbeitete Hopfen-Pellets im Vergleich

Frische Hopfendolden und verarbeitete Hopfenpellets im Vergleich