Irisches Bier: Das Duo Kilkenny und Smithwick’s

Unter den irischen Bieren gehört Kilkenny zu den bekanntesten. Das vollmundige Red Ale ist eine speziell für den Export produzierte Variante von Smithwick’s, dem meistverkauften Ale Irlands.

Der Markenname Kilkenny geht im Grunde auf unser Problem mit dem englischen «th» zurück: Als Smithwick’s erstmals im deutschen Sprachraum erhältlich war, fingen sich meisten Menschen einen Knoten in der Zunge ein, wenn sie sich an der Aussprache versuchten. Die Lösung lag glücklicherweise auf der Hand: Kilkenny – die Heimatstadt des schmackhaften Red Ales – drängte sich als ebenso einprägsame wie leichtgängige Bezeichnung förmlich auf. Mittlerweile handelt es sich beim Namen nicht mehr um den einzigen Unterschied: Kilkenny wird heute etwas stärker eingebraut als Smithwick’s und hat dadurch einen leicht höheren Alkoholgehalt. Da daran auch die Biertrinkerinnen und -trinker in Irland Freude fanden, sind die beiden Sorten dort in friedlicher Koexistenz vereint.

Irisches Bier – historischer Genuss

Diese kleine Anekdote stellt nur einen kleinen Ausschnitt aus der bewegten Geschichte der Brauerei Smithwick’s dar. Ihren Anfang nahm diese vor gut 300 Jahren, als John Smithwick 1710 seine Brauerei in Kilkenny gründete. Wobei wir genau genommen sogar noch ein deutliches Stück weiter zurückblicken könnten. Denn Smithwick wählte für sein Unternehmen das Gelände einer ehemaligen Franziskaner-Abtei, deren Bewohner bereits im 14. Jahrhundert mit dem Bierbrauen begonnen hatten.

 

Klingt nach ausgezeichneten Voraussetzungen, möchte man meinen. Doch leider: weit gefehlt. John Smithwick hatte es als Vollwaise ohnehin nicht gerade einfach im Leben, aber ein echtes Hindernis für seine unternehmerische Laufbahn war seine Religionszugehörigkeit: Als Katholik sah er sich im protestantischen Kilkenny mit allerlei offiziellen und inoffiziellen Diskriminierungen konfrontiert. Nach aussen trat deswegen sein Partner Richard Cole als Gesicht der Brauerei auf, um das Unternehmen möglichst wenig angreifbar zu machen. Natürlich blieb dies Arrangement nicht vollkommen im Verborgenen, was der Brauerei eine mysteriöse Aura verlieh. Diese erwies sich am Ende als nicht ausschliesslich schlecht fürs Geschäft – denn offenbar gefiel es den Menschen, mit einer derart geheimnisumwitterten Person in Verbindung gebracht zu werden.

Ende des 18. Jahrhunderts hatte die Geheimniskrämerei schliesslich ein Ende. Mit Abschaffung der Strafgesetze durften nun auch Katholiken Unternehmen besitzen. Trotzdem dauerte es noch einige Zeit, bis der Name Smithwick’s im Jahr 1827 endlich über den Toren der Brauerei prangte. Verantwortlich dafür war Johns Urenkel Edmond, der die volle Kontrolle über die Brauerei übernahm und das Geschäft in eine neue Zeit führte. Dafür schulden wir ihm hopfengetränkten Dank: Ohne ihn hätte es vermutlich nie ein Bier aus dem schönen Städtchen Kilkenny aufs europäische Festland geschafft.

Was macht Kilkenny und Smithwick’s so aussergewöhnlich?

Kennerinnen und Kenner beharren darauf, Kilkenny und Smithwick’s in jeder Blindverkostung erschmecken zu können. Das liegt nicht zuletzt am gerösteten Malz, das den Bieren eine aussergewöhnliche Note verleiht. Fest steht: Wenn du dich mit irischem Bier näher vertraut machen möchtest führt an Kilkenny und Smithwick’s definitiv kein Weg vorbei. In diesem Sinne: Lass es dir schmecken – sláinte!

Belgisches Bier – Genuss mit jahrhundertelanger Tradition

Belgisches Bier gehört seit 2016 zum UNESCO-Weltkulturerbe. Zu Recht, wie wir finden. Denn trotz seiner überschaubaren Grösse nimmt Belgien eine absolute Ausnahmestellung auf dem internationalen Biermarkt ein.

Belgisches Bier: Ein Glas Grimbergen in einer männlichen Hand, Sonne im Hintergrund

Belgien als das Land des Bieres zu bezeichnen, greift vielleicht ein klein wenig zu kurz. Schliesslich kommt aus dem Königreich im Herzen von Europa auch ausgezeichnete Schokolade. Das ändert jedoch nichts an der Tatsache, dass kaum ein Land auf dieser Welt mit der Biervielfalt des 11 Millionen Einwohner zählenden Staates Belgien mithalten kann. «Schuld» daran sind hauptsächlich zwei Faktoren:

Mönche mögen Bier

Wer im Geschichtsunterricht im richtigen Moment aufgepasst hat, weiss: Im Mittelalter waren die europäischen Klöster Vorreiter der Braukunst, wie wir sie heute kennen. Schliesslich brauchten ihre frommen Bewohner mit den schnittigen Frisuren ja eine Kalorienquelle, die sie verlässlich durch die Fastenzeit brachte. Nicht nur waren die belgischen Brüder ihrer Zeit voraus und liessen schon vor dem Mittelalter Getreide gären – sie zeigten auch früh weit mehr Einfallsreichtum als ihre Kollegen in anderen Ländern. Während man in manchen Teilen Europas, die wir hier nicht namentlich nennen wollen, mittels eines «Reinheitsgebots» die Zutatenliste für Bier massiv begrenzte, experimentierten die belgischen Braumeister schon sehr früh mit unterschiedlichsten Inhaltsstoffen wie Früchten und Gewürzen. Damit legten sie den Grundstein für die grosse Auswahl an unterschiedlichen Biersorten, auf die man in Belgien heute so stolz ist.

Émile Vandervelde mag keinen Schnaps

Das heisst, ob er ihn nun wirklich komplett ablehnte, können wir nicht mit Gewissheit sagen. Aber der 1866 geborene Politiker wollte den übermässigen Konsum verhindern und brachte 1919 das «Vandervelde-Gesetz» auf den Weg. Es verbot den Verkauf von Spirituosen in Bars, was wenig überraschend die Nachfrage nach Bier deutlich steigen liess. Das wiederum gab Brauereien den Anreiz, sich mit aussergewöhnlichen und besonders charaktervollen Bieren gegenüber ihren Mitbewerbern zu differenzieren.

Belgisches Bier: eine wahre Schatzkiste

Welche Bierstile gilt es also zu nennen, um dem Sortenreichtum in Belgien gerecht zu werden? Die vielleicht speziellste Gattung, die wir den Belgiern verdanken, ist das Lambic mit ihren verschiedenen Spielarten wie Faro, Geuze oder Kriek. Ihnen allen ist gemeinsam, dass der Alkohol durch Spontangärung mit wilder Hefe entsteht. Zwar findet man solche Schmankerl selten im Laden an der nächsten Ecke, doch sie schufen auch die Basis für das Sauerbier, das sich derzeit immer grösser werdender Beliebtheit erfreut. Ganz oben auf der Hitliste der belgischen Biere stehen heute das Dubbel und das Tripel, das Witbier, das Bière de Champagne oder das Amber. Bei rund 280 Brauereien in Belgien ist es kein Wunder, dass es nicht leicht fällt, sich den vollständigen Überblick zu verschaffen.

Belgisches Bier: Ein Glas Grimbergen in männlicher Hnad, Tisch im Hintergrund

Grimbergen: das belgische Bier für besondere Momente

Als Paradebeispiel für belgisches Bier darf man ganz sicher Grimbergen bezeichnen. Das beginnt schon mit der langen Tradition: In der vom heiligen Norbert von Xanten gegründeten Abtei Grimbergen wurde 1128 das erste Bier gebraut. Im Laufe ihrer bewegten Geschichte brannte die Abtei dreimal mehr oder weniger vollständig nieder. Doch sie wurde immer wieder neu aufgebaut – genau wie der Phönix erhob sie sich aus ihrer eigenen Asche. Aus diesem Grund ziert dieser mythische Vogel  das Wappen der Arbeit und das Grimbergen-Logo.

Grimbergen bietet ganz Belgien-typisch auch eine eindrückliche Sortenvielfalt. Deswegen findest du bei Grimbergen das passende Bier für die grossen und kleinen Genuss-Momente, die das Leben für uns bereit hält. Ob du ein besonders liebevoll zubereitetes, üppiges Fleischgericht mit einem Grimbergen Ambrée komplettierst, mit einem Brassin de Noel und einem spannenden Buch eine gemütliche Stunde vor dem Kamin verbringst, mit dem fruchtigen Witbier Blanche und deiner Lieblingsplaylist einen erlebnisreichen Sommertag ausklingen lässt, oder ob ihr für einen romantischen Abend zu zweit statt einem Gläschen Wein ein Grimbergen Rouge geniesst: Du wirst in jedem Fall schmecken, wie viel Liebe und Hingabe in die Perfektion jeder einzelnen Sorte dieses Bieres geflossen sind. Und die vielleicht beste Nachricht von allen: Mit den genannten Beispielen ist die gesamte Auswahl noch längst nicht erschöpft!

Bierschaum: Ja, er hat eine wichtige Aufgabe!

Der Schaum auf deinem Bier dient nicht einfach nur der ansprechenden Optik. Er sorgt auch dafür, dass der Gerstensaft genau so schmeckt, wie er schmecken soll! 

Bierschaum auf drei unterschiedlichen Sorten Bier

Wozu dient der Schaum auf deinem Bier?

Kennst du den englischen Begriff für Schaumkrone? Nein? Kein Wunder. Es gibt nämlich keine exakte Entsprechung. Mit «Head» kommst du der Idee noch am nächsten, doch der majestätische Aspekt fehlt dabei ganz eindeutig. Unsere durchaus bierverliebten Freunde auf der Insel halten wenig von der Idee, dass der Schaum dem Bier im wahrsten Sinne des Wortes die Krone aufsetzt. Die Optik ist zugegeben eine Frage des Geschmacks, und über den lässt sich bekanntlich streiten.

Aus der Perspektive des Geniessers gesprochen hat der Schaum hingegen eine entscheidende Aufgabe: Er bildet gewissermassen den schützenden Deckel auf deinem Bier. Dieser verhindert, dass die Kohlensäure zu schnell aus dem Glas entweicht und das Bier seine Spritzigkeit verliert. Ausserdem hält der Schaum die Aromen im Bier und bewahrt sie davor, sich ganz und gar sinnlos im Raum zu verteilen, statt deine Geschmacksnerven zu verwöhnen. (Bei einer Bierverkostung sieht das anders aus: Dort möchte man ja gerade möglichst gleichzeitig und sofort mit Mund und Nase alle Aromen aufnehmen können. Deswegen bekommst du dein Bier bei einer Degustation «schaumfrei».)

Ganz nebenbei sorgt der Schaum noch dafür, dass du nicht so leicht etwas verschüttest, weil das Bier messbar weniger «schwappt». Besonders wichtig auf Schiffen oder am Oktoberfest – für den Hausgebrauch sollte es sich dabei hoffentlich eher um ein theoretisches Problem handeln. 

Wie entsteht der Bierschaum?

Eben diese Frage bleibt zu klären. Wenig überraschend hat das mit der Kohlensäure zu tun, die auch die Bläschen im Bier bildet. Das alleine ergibt aber noch keinen bleibenden Effekt, wie du zum Beispiel bei aufschäumender Cola beobachten kannst. Seine Stabilität verdankt der Bierschaum den Eiweissen, die im Malz enthalten sind. Ob du es glaubst oder nicht: Sogar dazu hat irgendwer statistische Daten gesammelt. Zwischen 9% und 11% Proteingehalt liegt der sweet spot für die «besten» Ergebnisse. Der natürliche Feind des Schaums heisst übrigens: Fett. Deswegen solltest du deine Biergläser immer besonders gut reinigen. Wenn du sie vor Gebrauch noch einmal kurz mit kaltem Wasser ausspülst, verhinderst du damit übermässige Schaumbildung, die schliesslich auch kein Mensch gebrauchen kann. 

Natürlich unterscheidet sich der Schaum von Bier zu Bier. Besonders charakteristisch fällt er für gewöhnlich bei Weizenbier aus, wie zum Beispiel beim Klassiker «Schneider Weisse Original». Doch auch typische Lagerbiere wie das von Brooklyn können eine wunderschöne Schaumkrone ausbilden, allerdings mit einer völlig anderen Konsistenz als beim Weizenbier. Hier sei noch erwähnt: Genau genommen setzt der Schaum nicht zwingend Kohlensäure voraus. Viele Stouts wie etwa Guinness setzen stattdessen teilweise oder vollständig auf Stickstoff. Das verleiht dem Bier selbst, aber auch dem Schaum eine deutlich cremigere Textur. Wenn du je ein Guinness getrunken hast, wirst du diesen Effekt sicher nicht vergessen. Erst recht nicht, wenn du mal eines selbst gezapft hast.

PS: Zum Abschluss noch ein kleiner Tipp. Wenn dein Bier im Glas einmal seinen Schaum verloren hat, kannst du ihn durch Schütteln bis zu einem gewissen Grad wiederherstellen. Schon ein einzelnes Reiskorn verstärkt diesen Effekt noch massiv. Empfehlen können wir diese Idee aber nicht. Denn durch das Aufschäumen löst sich das Kohlendioxid, und dein Bier wird noch schneller schal als ohne Schaum. Insofern hilft nur eins: Augen zu und durch. In dem Fall absolut wörtlich gemeint 😉

Zwickelbier – ein «ungespundetes» Vergnügen

Wenn du dich etwas intensiver mit dem Thema Bier auseinandersetzt, läuft dir früher oder später auch unweigerlich das Zwickelbier über den Weg. Und das ist gut so – denn diese Spezialität hat definitiv ein wenig deiner Aufmerksamkeit verdient.

Was ist Zwickelbier?

Heute steht die Bezeichnung Zwickelbier für unfiltrierte und somit naturtrübe, für gewöhnlich untergärig gebraute Biere. Je nach Ausprägung kommen diese ganz ohne Nachgärungsprozess aus, oder sie werden sofort im Anschluss an diesen in Flaschen abgefüllt – respektive direkt ausgeschenkt. Letzteres geschieht natürlich bevorzugt in Brauereigaststätten. Ein Blick zurück in die Geschichte des Gerstensafts zeigt jedoch: Ursprünglich bezog sich Zwickelbier überhaupt nicht auf eine bestimmte Brauart. Vielmehr meinte man damit eine Probe, die der Braumeister aus dem Fass entnahm. Dank ihr konnte er sich von der Qualität des heranreifenden Biers überzeugen. Oder er hatte eine gute Ausrede für ein Schlückchen zwischendurch, ganz wie du es deuten möchtest. Um diese Probe zu zapfen, benutzte er einen speziell dafür vorgesehenen Hahn – eben den Zwickelhahn.

Biertechnisch betrachtet leben wir in einer enorm glücklichen Zeit: Uns steht eine breite Palette unterschiedlichster Sorten und Braustile aus aller Welt zur Auswahl. Weshalb nehmen wir uns also heraus zu sagen, dass bei all dieser Vielfalt gerade das Zwickelbier deine Aufmerksamkeit verdient? Weil man es guten Gewissens als ein ausgesprochen «süffiges» Erlebnis bezeichnen darf, wozu auch die naturtrübe Optik ihren Beitrag leistet. Die meisten Zwickelbiere punkten mit einem ausgewogenen Zusammenspiel der Aromen aus Hopfen und Malz. Dennoch bewahren sie sich gewisse Ecken und Kanten, was ihnen einen ausgeprägten, unkonventionellen Charakter verleiht.

Weniger Kohlensäure – weil «ungespundet»!

Nicht zuletzt solltest du dir mindestens einmal ein Zwickelbier gönnen, weil du damit vermutlich das erste «ungespundete» Bier deines Lebens trinkst. Was das bedeutet? Das Spundloch dient bei der Gärung in einem Fass dazu, bei Bedarf Druck abzulassen, der durch die Bildung von Kohlensäure während des Brauvorgangs entsteht. Verschlossen wird es üblicherweise mit einem Zapfen, den man als «Spund» bezeichnet. Bleibt das Spundloch hingegen offen, spricht man von ungespundetem Bier. Dieses enthält entsprechend weniger Kohlensäure, weil diese mehr oder weniger ungehindert entweichen kann. Gerne nehmen wir dein Dankesschreiben entgegen, falls du beim nächsten Pub-Quiz danach gefragt wirst! 

Übrigens: Häufig verwendet man den Ausdruck Kellerbier als Synonym zum Zwickelbier. Doch während die beiden viel gemeinsam haben, weisen sie auch kleine Unterschiede auf: Kellerbier ist üblicherweise ein wenig stärker gehopft und wird etwas länger gelagert, bevor es bereit für die Verkostung ist.

Falls du jetzt Lust bekommen hast, mal ein Zwickelbier zu versuchen, legen wir dir die Interpretation unserer Freunde von Valaisanne ans Herz. Schliesslich könnte es kaum eine bessere Quelle für ein charaktervolles Bier wie das Zwickelbier geben, als eine Brauerei aus dem Wallis, die stets bedacht ist, die Eigenwilligkeit ihrer Heimat auf ihre Produkte zu übertragen.

Valaisanne Zwickelbier: Flasche vor Berghintergrund

 

Malz: die Basis für dein Bier

Malz gehört zum Bier wie das Yin zum Yang. Aber wie entsteht Malz überhaupt? Und was hat es im Bier zu suchen? Wir klären dich auf!

«Hopfen und Malz, Gott erhalt’s» sagt man nicht nur in Bayern gern, wenn man dem Bier ein Loblied singen möchte. Mit dem Hopfen haben wir uns bereits im vergangenen Monat ausführlich befasst. Da drängt es sich ja beinahe auf, dass wir uns jetzt den zweiten Teil der schönen Redewendung vorknöpfen: das Malz!

Was ist Malz eigentlich genau?

Der Begriff Malz bezeichnet Getreide, das man kurz aufkeimen lässt, um es gleich anschliessend wieder zu trocknen. Was es damit auf sich hat, erklären wir dir später; jetzt wollen wir uns erst einmal die unterschiedlichen Getreidesorten ansehen, die dafür überhaupt in Frage kommen.

Verschiedene Getreidesorten, aufgeschüttet in Gäsern, bevor sie zu Malz verarbeitet werden

Gerstenmalz hat die Nase vorn

Der absolute Klassiker und gleichzeitig auch das zumindest in unseren Gefilden für die Bierherstellung am häufigsten verwendete Getreide ist die Gerste. Weshalb ist sie so beliebt? Erstens hat sie einen markanten, aber doch nicht zu dominanten Geschmack, der sie zur perfekten Wahl für Braumeisterinnen und Braumeister macht. Zweitens übernimmt ihre feste Kornhülle im weiteren Verlauf des Brauprozesses eine natürliche Filterfunktion. Drittens ist sie weniger heikel als andere Getreidesorten und hat keine allzu hohen Ansprüche an den Boden oder die Witterung. Viertens, schliesslich – und das dürfte vielleicht der wichtigste Punkt sein – lässt sich aus Gerste nur schwerlich Brot backen. Deswegen kam in der Geschichte auch bei akutem Mangel an Getreide im Grunde nie jemand auf die Idee, das Bierbrauen mit Gerste zu verbieten.

Geschmäcker sind verschieden

Ebenfalls beliebt für die Malzproduktion ist der Weizen. Sein Geschmack ist weniger ausgeprägt als derjenige der Gerste, stattdessen erzeugt er die typische Spritzigkeit, die du von belgischen Witbieren oder von Weissbieren beispielsweise aus dem Hause Schneider kennst.

Neben diesen beiden wichtigsten Sorten verwenden europäische Braumeisterinnen und Braumeister eher selten auch Roggen oder Dinkel für ihr Malz. Falls du gerne Biere von der Insel trinkst, ist dir vermutlich Hafer schon als Zutat über den Weg gelaufen: Er wird für die vor allem in Grossbritannien und Irland beliebten Oatmeal Stouts verwendet.

Andere Kontinente, andere Malze

Welches Getreide für das Bierbrauen zum Einsatz kommt, hängt in erster Linie mit der lokalen Verfügbarkeit zusammen. Deswegen überrascht es wenig, dass es über unseren Erdball verteilt eine ziemliche Vielfalt an unterschiedlichen Malzen gibt. In Asien beispielsweise braut man Bier häufig aus gemalztem Reis. In Afrika, speziell im östlichen Teil des Kontinents, sind verschiedene aus Hirse gebraute Biersorten verbreitet. Auf dem amerikanischen Kontinent wiederum, speziell ab Mexiko in Richtung Süden, finden sich häufig Biere auf Mais-Basis. Doch auch in Europa hat sich die Verwendung von Mais längst durchgesetzt – zum Beispiel beim spanischen Klassiker San Miguel

Welche Rolle spielt das Malz im Brauprozess?

Malz bildet zusammen mit dem Hopfen die Grundlage für die Bierwürze, aus der durch den Gärvorgang das Bier entsteht. Nun fragst du dich vermutlich, wie Gerste oder andere Getreidesorten überhaupt zu Malz verarbeitet werden. Zunächst weicht man die Körner in Wasser ein, so dass sie zu keimen beginnen und bestimmte Enzyme freisetzen. Diese sind dafür verantwortlich, dass die enthaltene Stärke später in Zucker umgewandelt wird. Dieser wiederum vergärt im weiteren Verlauf zu Alkohol. Doch bevor das Korn Wurzeln schlägt, wird es getrocknet und gemahlen, so dass es als Pulver für den Brauprozess zur Verfügung steht. Für manche Biersorten wird auch ein Anteil an geröstetem Malz verwendet – das vielleicht bekannteste Beispiel ist das irische Guinness

Übrigens: Wie der gesamte Brauprozess im Detail abläuft, haben wir hier ausführlich für dich beschrieben.

Zum Schluss: Wenn Hopfen und Malz verloren sind…

Hopfen: die «Würze des Braumeisters»

Das nahende Ende des Sommers bringt auch etwas Positives mit sich, denn ab Ende August wird der Hopfen geerntet. Wir nutzen die Gelegenheit, um dir diese spezielle Pflanze und ihre Rolle im Brauprozess näher zu bringen.

Hopfen: Getreide? Hanfgewächs?

Der Hopfen ist eine Kletterpflanze, die zur Familie der Hanfgewächse gehört und weltweit auf ca. 47’766 Hektar Fläche angebaut wird. Die Hälfte der Weltproduktion kommt aus den USA, während Deutschland mit 20’144 Hektar der zweitgrösste Player ist. In der Schweiz wird Hopfen übrigens auf lediglich 18 Hektar angebaut (was ganz grob 25 Fussballfeldern entspricht). 90% des weltweit geernteten Hopfens werden für das Bierbrauen verwendet. Hierbei benutzt man ausschliesslich weibliche Hopfendolden, da nur diese die wertvollen Gerbstoffe enthalten – mehr dazu später.

Hopfendolde im Sonnenlicht

Die ersten Hopfenkeimlinge wagen sich an die Oberfläche, sobald die ersten Frühlingssonnenstrahlen den sandigen Boden küssen. Sie können eine Höhe von sieben Metern erreichen und wachsen bis September – bei einer Höchstgeschwindigkeit von 30 cm pro Tag. Um die Haltbarkeit zu gewährleisten, werden die Hopfendolden unmittelbar nach der Ernte getrocknet. Hierfür kommen sie in eine sogenannte Darre, wo sie auf zwischen 62 und 65° C erhitzt werden, so dass ihr Feuchtigkeitsgehalt von über 80 auf rund 10% sinkt. Sobald der Hopfen aus der Darre kommt, ist er bereit für die weitere Verwertung.

Die Dolden als solche werden heute allerdings nur noch in geringem Umfang direkt in dieser Form der Würze beigegeben. In der Tat greift man unterdessen mehrheitlich auf Hopfenpulver zurück, bei welchem die gemahlenen Dolden zu «Pellets» gepresst werden, oder Hopfenextrakt, wobei die Bitter- und Aromastoffe mit Hilfe von flüssiger Kohlensäure unter hohem Druck «herausgewaschen» werden.

Seele und Gerüst des Bieres

Von den vier Hauptbestandteilen im Bier – Wasser, Gerste, Hefe und eben Hopfen – hat der Hopfen zweifelsohne den grössten Einfluss auf das Aroma. Nicht umsonst nennt man ihn liebevoll «das Würzmittel des Braumeisters». Generell kann man Hopfen in zwei Hauptsorten unterteilen. Der Bitterhopfen zeichnet sich durch einen relativ hohen Anteil an sogenannter Alpha-Säure aus, die dem Bier seine bittere Note verleiht. Der Aromahopfen hingegen ist reicher an Aromaölen und gibt dadurch dem Bier eine fruchtige Note mit.

Hopfen ist aber auch für die Haltbarkeit des Bieres unentbehrlich. Deswegen wurden im 19. Jahrhundert Ales, die für lange Seereise von England nach Indien vorgesehen waren, mit einem zusätzlichen Drittel Hopfen und höheren Alkoholgehalt gebraut, um die Überfahrt unbeschadet überstehen zu können. Und so entstand, du ahnst es vermutlich schon, das India Pale Ale. Nicht zuletzt leistet der Hopfen in Sachen Ästhetik seinen Beitrag: Seine Gerbstoffe sorgen ganz nebenbei noch dafür, dass die Schaumkrone ihre majestätische Festigkeit erlangt und nicht gleich nach dem Einschenken in sich zusammenfällt.

Hopfensorten von den verschiedensten Orten

Schneider Weisse, die stolze älteste Weissbierbrauerei Bayerns, hat sich mit dem Örtchen Kelheim die perfekte Heimat ausgesucht. Denn sozusagen direkt vor der Haustür liegt die Hallertau, das grösste zusammenhängende Hopfenanbaugebiet der Welt. Über 30 unterschiedliche Arten wachsen hier jedes Jahr unter idealen Bedingungen und warten nur darauf, einige Kilometer weiter in den Kesseln der Schneider-Braumeister zu landen. In der «Hellen Weisse»  etwa sorgt eine Mischung aus der milden und leicht süsslichen Sorte «Hallertauer Tradition» und der blumig-fruchtigen Sorte «Hallertauer Saphir» für den unverwechselbaren Geschmack bayerischer Lebenslust.

Auch die Kollegen von Kronenburg setzen auf Regionalität und benutzen für ihr «1664 Lager» eine ganz spezielle Variante, die von Kennern als  «Kaviar des Hopfens» bezeichnet wird: den Strisselspalt. Dieser wächst hauptsächlich in der Region rund um Strassburg und überzeugt aufgrund seines ausserordentlich feinen Aromas, das im 1664 Lager aufgrund der Mischung mit ausgewählten Malzsorten und exklusiven Hefekulturen besonders gut zur Geltung kommt.

Doch manchmal muss es auch ein wenig exotischer sein: In der Open Gate Brewery, der hauseigenen Experimentierküche von Guinness, haben sich die Braumeisterinnen und Braumeister etwas ganz besonderes einfallen lassen. Für Ihr «Hop House 13» kombinieren sie die Sorten Galaxy, Topaz und Mosaic-Hopfen (aus den USA und Australien), um ein Gesamtbouquet mit Aromen von Aprikose und Pfirsich zu erzielen. Seinen Namen verdankt das Bier übrigens dem ehemaligen Lagerhaus mit der Nummer 13, in dem tatsächlich auch heute noch der Hopfen aufbewahrt wird.

Übrigens: Bei uns findest du auch den gesamten Brauprozess übersichtlich zusammengefasst.